We don’t need no education. Zumindest nicht so penetrant.

Ich bin ein ziemlich bornierter Mensch. Nicht absolut betrachtet, aber verglichen mit dem Anspruch, den ich an mich habe, doch ziemlich. Im persönlichen Gespräch lasse ich mich durchaus gerne mal umstimmen, wenn ich in der Phase der Meinungsbildung bin, durchaus auch von Print- und Onlinemedien – aber wenn ich eine Meinung habe, perlen die Gegenargumente gerne mal von mir ab wie Regentropfen auf gewachsten Jacken.

Diesmal jedoch nicht. Als eigentlich überzeugter Vertreter der grünen Grundhaltung stehe ich hinter dieser Partei, auch wenn ich manche Überzeugungen nicht teilen möchte. Was mir jedoch seit einiger Zeit bitter aufstößt, ist die unsägliche Debatte über ein mögliches Verbot von Plastiktüten, die jetzt auch der Cicero-Autor Alexander Marguier zum Anlass nimmt, der Partei seine Stimme argumentativ zu entziehen. Haben wir wirklich keine größeren Probleme als Plastiktüten? Müssen wir diese wirklich „verbieten“? Ich bin selbst ein sparsamer Mensch und gehe zu 60% aus ökologischen und zu 40% aus wirtschaftlichen Gründen in der Regel mit einem Stoffbeutel zum Einkaufen, um meine Einkäufe zu verstauen. Jedes Mal eine Tüte zu kaufen, ist mir zu teuer, den Preis, der für Plastiktüten aufgerufen wird, finde ich aus ökologischen Gründen trotzdem viel zu niedrig. Dennoch würde ich mir mindestens einmal im Monat in den Arsch beißen, wenn ich bei einem Spontaneinkauf keinen Beutel dabei habe, aber irgendetwas benötige, um meine Einkäufe nach Hause zu transportieren – aber die Plastiktüte verboten ist. Sicher, es gäbe auch die Möglichkeit, Papiertüten oder Stoffbeutel zu kaufen, aber die sind (da schlägt nun wieder der Sparfuchs durch) einfach überteuert.

Warum wird statt einem ordentlichen Tempolimit so ein Thema angefasst? Weil es den Grünen die Möglichkeit gibt, direkt in das Alltagsleben der Bevölkerung einzugreifen. Mit kleiner Arbeit große Wirkung zu erzielen. Oder wie Alexander Marguier es bezeichnet: Uns zu erziehen.

Ich kann (s.o.) und möchte ihm nicht voll und ganz recht geben, vor allem auch, weil ich finde, dass eine Gesellschaft Regeln, Begrenzungen und Leitplanken benötigt. Das Rauchverbot, die Eindämmung von FCKW in den frühen 90ern, die Einführung von Umweltzonen in Großstädten – all das sind Maßnahmen, die uns lehren, wie wir unser Leben nachhaltiger gestalten können und müssen. Ohne Regeln leben wir maßlos, treten wie wild aufs Gas, werfen unseren Müll ungehemmt zusammen und qualmen uns reihenweise in die Paliativstationen – denn finanziell leisten können wir es uns ja leider.

Aber: All diese Regeln müssen sinnvoll und relevant sein. Sich auf lange Sicht auf Nischenprobleme einzuschießen, würde die Grünen auf Dauer zurückwerfen auf das Niveau einer Nischenpartei – und damit unser aller Zukunft sicherlich nicht besser machen.